Im Interview spricht Obmann Philipp über den radikalen Neustart, die Kraft des neuen Teams und die Zukunft des ASK Kaltenleutgeben.
Im 90. Jahr seines Bestehens befindet sich der ASK Kaltenleutgeben nicht nur in einem Jubiläumsjahr, sondern an einem Wendepunkt. Der ASK Kaltenleutgeben soll zu einem Aushängeschild in der Region werden. Das Ziel ist klar, der Weg skizziert und die ersten Meilensteine erreicht! Der Anspruch ist unmissverständlich: Der ASK soll der erfolgreichste Verein der gesamten Region werden.
Du bist im 90. Jahr des ASK Kaltenleutgeben Obmann geworden. Warum gerade jetzt?
Vielleicht musste es genau jetzt passieren. Der ASK hat eine große Geschichte, aber Geschichte allein gewinnt keine Zukunft. Der Verein stand in den vergangenen Jahren vor enormen Herausforderungen. Viele davon waren offensichtlich, andere lagen tiefer in den Strukturen.
Wir hatten nicht die Wahl, einfach so weiterzumachen wie bisher. Die tatsächliche Entscheidung lautete: Lassen wir den Verein sterben – oder wagen wir einen echten Neuanfang?
Manchmal müssen Dinge zunächst schlechter werden, damit sie anschließend wirklich besser werden können. Mein Vorgänger hatte dafür eine klare Deadline gesetzt: Wenn es uns nicht gelungen wäre, ein neues und handlungsfähiges Team zusammenzustellen, würde es den ASK Kaltenleutgeben heute nicht mehr geben.
Diese Herausforderung wurde offen ausgesprochen. Jeder hätte die Gelegenheit gehabt, Verantwortung zu übernehmen und diese Chance zu ergreifen. Das Team, das heute den Vorstand bildet, hat genau das getan. Es hat nicht weggesehen und nicht abgewartet, sondern sich der Herausforderung gestellt und entschieden, für die Zukunft dieses Vereins zu kämpfen.
Der Abriss des alten Vereinsgebäudes steht symbolisch dafür. Wir machen reinen Tisch – nicht aus Respektlosigkeit gegenüber der Vergangenheit, sondern aus Verantwortung für die Zukunft. Wir schaffen Platz für etwas Neues.
Was genau soll beim ASK neu entstehen?
Eigentlich geht es nicht darum, etwas völlig Neues zu erfinden. Es geht darum, den ASK zu den Fundamenten seiner Bestimmung zurückzuführen.
Ein Verein muss mehr sein als Mannschaften, Tabellen und Ergebnisse. Er muss eine Gemeinschaft sein. Er muss einen sozialen Auftrag erfüllen und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen Ort geben, an dem sie dazugehören. Einen Ort, an dem Menschen einander begegnen, Freundschaften entstehen und jeder seinen Platz finden kann.
Wir haben hier etwas ganz Besonderes: das schönste Stadion der Liga, mitten im Wald. Hier können Menschen gemeinsam Sport betreiben, Zeit an der frischen Luft verbringen und erleben, was echte Gemeinschaft bedeutet.
Wir wollen gemeinsam etwas erschaffen, das größer ist als das, was ein Einzelner jemals schaffen könnte. Genau darin liegt die eigentliche Kraft eines Vereins – und genau dorthin soll der ASK zurückkehren.
Du sprichst sehr selbstbewusst über die Zukunft. Woher kommt diese Überzeugung?
Weil Erfolg kein Zufall ist. Erfolg ist ein Prozess. Und wir kennen die Zutaten dafür.
Man braucht eine klare Vision. Man braucht einen Plan. Man braucht Disziplin, Geschwindigkeit und den Willen, Dinge tatsächlich umzusetzen. Vor allem aber braucht man die richtigen Menschen.
Investoren schauen sich die Zahlen eines Unternehmens an. Sehr gute Investoren schauen sich das Team hinter diesen Zahlen an. Sie fragen: Wer sind die Menschen, die diese Entwicklung tragen? Können sie Entscheidungen treffen? Können sie Probleme lösen? Können sie andere begeistern? Können sie liefern?
Wenn ich mir das Team ansehe, das heute hinter dem ASK steht, dann weiß ich: Wir sind besser aufgestellt als alle anderen. Nicht, weil wir bereits in jedem Bereich am Ziel wären, sondern weil hier Menschen zusammenarbeiten, die diesen Verein jeden Tag besser machen. Ein solches Team kann auf Dauer gar zu nichts anderem als zum Erfolg führen.
Woran erkennt man, dass diese Entwicklung bereits begonnen hat?
Man muss sich nur ansehen, was innerhalb kürzester Zeit passiert ist.
Unsere Jugendarbeit floriert. Neue Kinder kommen zum Verein, Mannschaften wachsen und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs schaffen den Schritt in die Kampfmannschaft. Genau so entsteht nachhaltiger sportlicher Erfolg.
Wir haben eine Seniorenmannschaft gegründet, die nicht nur trainiert und an Turnieren teilnimmt, sondern selbst Veranstaltungen organisiert und aktiv in der Gemeinschaft wirkt. Diese Mannschaft zeigt, was den ASK ausmacht: Eigeninitiative, Zusammenhalt und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Wir haben ein Social-Media-Team aufgebaut, das den Verein professioneller und sichtbarer präsentiert. Wir haben die 90-Jahr-Feier organisiert. Wir haben den Abriss des alten Vereinsgebäudes vorbereitet und umgesetzt. Gleichzeitig wurden interne Abläufe verbessert, Aufgaben neu verteilt und Projekte gestartet, deren Wirkung man schon jetzt erkennen kann.
All das ist nicht irgendwann passiert. Es ist innerhalb weniger Monate passiert.
Wenn man die Geschwindigkeit, die Leistung und den Spirit dieser vergangenen Monate betrachtet, dann waren diese Schritte nicht nur gut. Sie waren bemerkenswert.
Viele Vereine haben große Pläne. Was macht den ASK anders?
Wir sprechen nicht nur über Ziele. Wir organisieren uns so, dass wir sie erreichen.
Unser Vorstand arbeitet mit einer Balanced Scorecard. Wir betrachten den Verein sportlich, wirtschaftlich, organisatorisch, infrastrukturell und gesellschaftlich. Wir definieren, was Erfolg in diesen Bereichen bedeutet, legen konkrete Maßnahmen fest und machen die Entwicklung messbar.
Damit verlassen wir uns nicht auf Hoffnung oder Tagesform. Wir schaffen einen Prozess, in dem Fortschritt planbar wird.
Natürlich wird es Rückschläge geben. Natürlich wird nicht jedes Spiel gewonnen und nicht jedes Projekt sofort funktionieren. Aber einzelne Rückschläge ändern nichts an der Richtung. Wenn die Vision klar ist, das Team stimmt und die Prozesse funktionieren, wird Erfolg zu einer Frage der Zeit.
Was bedeutet „der erfolgreichste Verein der Gegend“ konkret?
Erfolg ist größer als eine Tabelle.
Wir wollen sportlich erfolgreich sein. Wir wollen eine starke Kampfmannschaft und möglichst viele Spieler aus der eigenen Jugend in diese Mannschaft führen. Wir wollen in jeder Altersstufe hervorragende Entwicklungsbedingungen schaffen.
Wir wollen wirtschaftlich stabil sein, eine moderne Infrastruktur aufbauen und als Organisation professionell arbeiten. Wir wollen Menschen zusammenbringen und für Kaltenleutgeben einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.
Der erfolgreichste Verein ist nicht nur der Verein, der am Wochenende die meisten Tore erzielt. Es ist der Verein, bei dem Kinder spielen wollen, Eltern Vertrauen haben, Trainer sich entwickeln können, Sponsoren gerne investieren, Mitglieder mitgestalten und Menschen stolz darauf sind, dazuzugehören.
Genau dieser Verein wird der ASK Kaltenleutgeben sein.
Ist dieses Ziel angesichts der großen Konkurrenz nicht zu ambitioniert?
Nein. Zu ambitioniert wäre es, ein großes Ziel auszurufen und nichts dafür zu verändern. Genau das tun wir aber nicht.
Wir haben begonnen, die Voraussetzungen zu schaffen. Wir sehen das Wachstum. Wir spüren die neue Energie. Wir erleben, wie Aufgaben erledigt werden, für die früher oft Zeit, Struktur oder Verantwortliche gefehlt haben.
Der ASK Kaltenleutgeben wird der erfolgreichste Verein unserer Gegend werden. Das ist für mich keine Frage mehr. Die einzige offene Frage ist, wann wir dieses Ziel erreichen.
Welche Rolle spielt dabei die Gemeinschaft?
Die entscheidende.
Ein Vorstand kann die Richtung vorgeben und Strukturen schaffen. Aber ein großer Verein entsteht nur, wenn viele Menschen an dieselbe Idee glauben und ihren Teil dazu beitragen.
Wir brauchen Spieler, Trainer, Eltern, Mitglieder, Helfer, Fans, Unterstützer und Partner, die diesen Weg mit uns gehen. Dabei ist jeder Beitrag wichtig. Manche übernehmen eine große Aufgabe, andere helfen für eine Stunde. Manche unterstützen uns finanziell, andere bringen Ideen oder ihre Arbeitskraft ein.
Was zählt, ist die gemeinsame Haltung: Wir warten nicht darauf, dass jemand den ASK für uns verbessert. Wir tun es selbst.
Was ist deine Botschaft an alle, die den ASK derzeit beobachten?
Schaut genau hin.
Was hier gerade entsteht, ist größer als ein einzelnes Projekt, ein Gebäude oder eine Mannschaft. Wir bauen einen Verein neu auf – mit Respekt vor seiner 90-jährigen Geschichte und mit einem kompromisslosen Blick nach vorne.
Die Vergangenheit hat gezeigt, wie viel dieser Verein aushalten kann. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell er sich entwickeln kann. Und die Menschen, die heute Verantwortung tragen, zeigen, welches Potenzial in ihm steckt.
Wir stehen nicht am Ende dieser Entwicklung. Wir stehen ganz am Anfang.
Und genau deshalb ist jetzt der beste Zeitpunkt, ein Teil davon zu werden.




